Trauer und Verlust: Wie mit dem Verlustschmerz umgehen?

Die Bewältigung von Trauer und Verlust

Jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens öfter damit konfrontiert, einen geliebten Menschen durch Tod oder Trennung zu verlieren oder andere Situationen bewältigen zu müssen, die von Abschied und Verlustkrisen geprägt sind. Trauer und Verlust können Menschen an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit bringen und eine jahrelange, in manchen Fällen sogar lebenslange Phase der Orientierungslosigkeit oder inneren Unzufriedenheit nach sich ziehen. Auch wenn es für die Bewältigung von Verlust- und Lebenskrisen keine Patentrezepte gibt und die Weise, wie ein Mensch damit umgeht, vom individuellen Charakter und der jeweiligen Lebenssituation abhängig ist, können Betroffene einiges tun, um sich in solchen Ausnahmesituationen zu stärken und Trost zu finden.

Trauer, Abschied und Schicksalsschläge

Verlustkrisen entstehen nicht nur durch den Tod eines geliebten oder nahestehenden Menschen, sondern auch durch viele andere negative Erlebnisse. Mit Trauer um Familienmitglieder oder enge Freunde werden alle Menschen im Laufe ihres Lebens mehrere Male konfrontiert. Der Tod der Eltern, Lebenspartner oder Kinder stellt Menschen vor eine große Herausforderung, denn oft kann die Trauerarbeit nur mit fremder Hilfe bewältigt werden oder stürzt die Betroffenen in eine tiefe Identitätskrise. Dies kann auch passieren, wenn Trennungen oder Scheidungen, Fehlgeburten oder Schwangerschaftsabbrüche den Lebensalltag erschüttern.

Viele Menschen kommen mit dem Kummer und den massiven Veränderungen, die eine Trennung oder der Verlust eines Menschen bewirken, nur schwer zurecht und reagieren darauf, indem sie an sich selbst zweifeln oder tiefe Schuldgefühle empfinden.

Nicht selten gehen Abschied, Trauer und Verlust mit einem massiven Einbruch des Selbstwertgefühls einher, der es den Betroffenen zusätzlich erschwert, sich nach einem schweren Schicksalsschlag wieder aufzurichten und sich allmählich wieder am Leben zu erfreuen.

Viele Verlustkrisen hängen nicht mit dem Abschied von einem geliebten Menschen zusammen, sondern werden durch Schicksalsschläge wie schwere Krankheiten oder Unfälle ausgelöst, die die Gesundheit oder intakten körperlichen Fähigkeiten negativ beeinträchtigen. Viele Menschen stürzen in eine schwere Identitätskrise, wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren oder mit einer existenzbedrohenden finanziellen Situation konfrontiert werden. Auch wenn materielle Verluste oder berufliche Veränderungen nicht mit dem Tod eines Familienmitglieds vergleichbar sind, können sie dennoch schwere Depressionen oder Lebenskrisen auslösen.

Emotionen zulassen und darüber sprechen

Mit Trauer und Verlust richtig umzugehen, bedeutet in erster Linie, die damit verbundenen Emotionen zuzulassen und bewusst wahrzunehmen. Nur wer trauert, kann lernen, mit den Gefühlen umzugehen und Trost durch die unmittelbare Umwelt anzunehmen. Nur mit einer gezielten Trauerbewältigung können Menschen Verlustkrisen verarbeiten und die Vergangenheit nach dem Abschluss der Trauerarbeit hinter sich lassen. Der Schmerz, den der Tod eines geliebten Menschen oder eine Trennung verursacht, verschwindet in den meisten Fällen nie ganz, Betroffene können aber einen Weg finden, damit umzugehen und wieder Freude am Leben zu empfinden.

Jeder Mensch geht mit Trauer und Verlust anders um, weshalb niemand eine Anleitung geben kann, um den tiefen Schmerz zu verkraften. Viele Menschen lassen sich ihre Emotionen nicht anmerken und trauern still in sich hinein, während andere ihre Trauer nach außen zeigen und vielleicht ihre Mitmenschen damit belasten. Unabhängig von der individuellen Art, mit Schmerzen und Trauer umzugehen, sollten diese Emotionen immer zugelassen und dürfen keinesfalls unterdrückt werden.

Vielen Menschen hilft es, Verlustkrisen im Gespräch mit nahestehenden Menschen zu thematisieren und ihre Gefühle wie Verzweiflung, Angst oder Wut mitzuteilen. Über Probleme zu sprechen ist oft die beste Möglichkeit, sich von der psychischen Last zumindest teilweise zu befreien. Wenn keine Vertrauenspersonen für ausgiebige Gespräche zur Verfügung stehen, empfiehlt es sich, therapeutische Hilfe in Erwägung zu ziehen. Wer mit dem Schmerz nicht umgehen kann und das Gefühl hat, in einem Teufelskreis gefangen zu sein, sollte unbedingt einen Arzt konsultieren, der die psychische Verfassung beurteilen kann und gegebenenfalls eine Psychotherapie oder andere professionelle Hilfe vorschlagen wird. Oft kann die Trauerarbeit schneller bewältigt werden, wenn die Gefühle und Gedanken mit fremden Menschen gezielt analysiert und dadurch bewusster wahrgenommen werden.

Auch Selbsthilfegruppen unterstützen Menschen, die sich in emotionalen Ausnahmesituationen befinden. Betroffene können sich in solchen Gruppen mit anderen Personen austauschen, die Ähnliches erlebt haben und daher die schwere psychische Last genau nachvollziehen können. Gerade Menschen, die sich durch den Verlust eines Partners oder Familienmitglieds alleingelassen fühlen und ihr Leid mit niemandem teilen können, finden in Selbsthilfegruppen Gleichgesinnte, die sich gegenseitig Trost spenden. Auf diese Weise entstehen oft intensive Freundschaften, die neuen Mut geben und ein Leben lang halten können.

Auch wenn Reden in den meisten Fällen als eine Art Katharsis wirkt, sind viele Menschen dennoch nicht in der Lage, sich in Gesprächen zu offenbaren und ihre Gefühle mit anderen Menschen zu teilen. In solchen Fällen kann es helfen, die negativen Erlebnisse schriftlich zu formulieren. Viele Menschen finden Trost darin, ihren Schmerz in Form von Tagebüchern, Gedichten, Kurzgeschichten oder schriftlichen Skizzen zu Papier zu bringen. Internet-Foren bieten die Möglichkeit, sich mit Menschen in ähnlichen Situationen schriftlich auszutauschen, ohne dabei persönliche Verpflichtungen einzugehen oder in direkten Kontakt zu treten. Schmerz kann auch als kreativer Impuls genutzt werden. Zeichnen und Malen eröffnen wirksame Perspektiven, um sich von negativen Gefühlen zu reinigen und die psychische Last auf künstlerische Weise zu thematisieren.

Das eigene Ich pflegen

Gefühle von Trauer und Verlust bewirken oft, dass sich Betroffene in dieser Ausnahmesituation vernachlässigen und vergessen, dass gewisse Situationen im Leben weiterhin Freude bereiten können. Daher ist es wichtig, sich nicht vollständig zurückzuziehen, sondern nach der ersten Trauerphase allmählich damit zu beginnen, frühere Aktivitäten und Unternehmungen wieder aufzunehmen.

Vielen Betroffenen gelingt es, ihren Schmerz zumindest teilweise zu vergessen, indem sie intensiv Sport treiben, sich auf berufliche oder familiäre Verpflichtungen konzentrieren oder durch eine lange, interessant gestaltete Reise Abstand gewinnen. Die belastenden Gedanken können dadurch zeitweise verdrängt und durch positive Erfahrungen ersetzt werden. In dieser Phase der allmählichen Neuorientierung kann das seelische und körperliche Gleichgewicht schrittweise wiederhergestellt werden. Ein wiederaufgenommener Alltag und neue zufriedenstellende Lebensaufgaben ermöglichen ein gestärktes Selbstbewusstsein und dadurch die Fähigkeit, die Verlustkrise mit Optimismus und einem positiven Blick in die Zukunft zu bewältigen.

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