Fatigue-Syndrom: Symptome und Behandlung

Unter dem Begriff Fatigue-Syndrom (kurz Fatigue oder auch Erschöpfungssyndrom genannt) sind Symptomkomplexe zusammengefasst, die als Folge von chronischen Erkrankungen, Immunschwächen und Mangelerscheinungen auftreten oder ein eigenes Krankheitsbild darstellen. Die Symptome, die auf das Fatigue-Syndrom hindeuten, können vielfältig sein, zentral sind jedoch chronische Müdigkeits- und Erschöpfungszustände, die trotz ausreichender Schlaf- und Ruhezeiten auftreten. Da die Beschwerden von den Betroffenen und den behandelnden Ärzten oft mit jenen eines Burn-out-Syndroms oder einer Depression verwechselt werden, erfährt nur ein Teil der Patienten eine gezielte Behandlung des Fatigue-Syndroms.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Symptome, die das Fatigue-Syndrom begleiten, sind bis heute nicht eindeutig erforscht, Wissenschaftler vermuten jedoch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. In über achtzig Prozent aller diagnostizierten Fälle geht diesem Symptomkomplex eine schwere Infektion oder chronische Erkrankung voraus, wobei die genauen körperlichen Ursachen für die Entstehung der Beschwerden meist unklar bleiben. Vermutet werden sowohl Entzündungsherde und fehlgesteuerte Immunprozesse als auch Veränderungen des Hormonhaushalts und des Nervensystems. In den meisten Fällen bedingen zellschädigende Substanzen, die im Zuge der Erkrankung entstehen, eine Blutarmut, die die Erschöpfungszustände auslöst.

Verschiedene Krankheitsbilder und Formen der Erkrankung

Je nach Ursachen und Auslösern werden mehrere Formen von Fatigue unterschieden. Die häufigste Art kann als Begleiterscheinung von schweren Krankheiten wie etwa Krebs, Parkinson, Multipler Sklerose, Morbus Crohn, Rheuma, Aids oder Autoimmunerkrankungen auftreten. Auch bestimmte Herpesvirenstämme, wie etwa das Epstein-Barr-Virus, das HHV6 oder das Cytomegalievirus werden mit Fatigue in Zusammenhang gebracht. Die typischen Symptome eines Fatigue-Syndroms können sich jedoch auch als Folge einer Einnahme bestimmter Medikamente, einer Chemotherapie oder Interferonbehandlung sowie durch Schlaflosigkeit und Schlafapnoe, Erkrankungen der Psyche sowie langfristige Mangelernährung und Blutarmut bemerkbar machen.

Ein eigenes Krankheitsbild beschreibt das sogenannte Chronic Fatigue Syndrome oder Chronisches Erschöpfungssyndrom, das ebenfalls hauptsächlich durch schwere Erkrankungen und chronischen Entzündungsprozessen ausgelöst wird.

Einem besonders hohen Risiko, an Fatigue zu erkranken, sind Krebspatienten ausgesetzt, deren Organismus durch den Krankheitsverlauf und die Chemotherapie doppelt belastet wird. Nicht nur die Einwirkung des Tumors in die Stoffwechselprozesse der Zellen und die immunschädigenden Substanzen, die im Zuge der Chemotherapie auf den Körper einwirken, erhöhen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Fatigue, auch die psychische Belastung und die kräftezehrenden Therapiemaßnahmen verursachen oft chronische Erschöpfung. Geschätzte 75 Prozent aller Krebspatienten klagen im Laufe der Therapie über die typischen Symptome des Fatigue-Syndroms.

Chronische Erschöpfungszustände werden insbesondere an Menschen, die an Brustkrebs, Leukämie und Prostatakrebs leiden, beobachtet, wobei Frauen von diesem Symptomkomplex deutlich häufiger betroffen sind als Männer. Es wird vermutet, dass dies mit dem geschlechtsspezifischen Schmerzempfinden zusammenhängt. Das Risiko, mit Fatigue konfrontiert zu werden, steigt mit zunehmendem Alter kontinuierlich an. Schätzungen zufolge sind etwa 1,5 Prozent aller Deutschen von dem Chronischen Erschöpfungssyndrom betroffen.

Symptome und Folgebeschwerden

Menschen, die unter den Symptomen des Fatigue-Syndroms leiden, klagen in erster Linie über bleierne Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Erschöpfung trotz eines angemessenen Schlafkonsums und normalen Lebensstils. Diese Beschwerden lösen in weiterer Folge psychische Verstimmungen aus, die von Frustration, Reizbarkeit, starken Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen reichen können. Oft sind die körperliche und die mentale Leistungsfähigkeit stark reduziert. Durch Beeinträchtigungen des Kurzzeitgedächtnisses sowie Konzentrationsstörungen kommt es bei vielen Betroffenen zu erheblichen Problemen im Berufsleben. Oft fallen jedoch schon alltägliche Aufgaben wie die Körperhygiene, Putzen, Kochen oder Telefonieren schwer, was zu Einbrüchen im Sozial- und Familienleben führt.

Viele Menschen leiden aufgrund einer schweren seelischen Erkrankung gleichzeitig an Fatigue und Schlafstörungen, wodurch sich das Krankheitsbild zusätzlich verschlechtert. Neben dem Verlust der körperlichen und geistigen Aktivität kann es im Zuge des Chronischen Erschöpfungssyndroms auch zu sensorischen Störungen, Schmerzsyndromen wie etwa Migräne oder Fibromyalgie sowie Magen-Darm-Störungen wie dem Reizdarmsyndrom oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten kommen. Viele Patienten reagieren auf diese vielfältigen Beschwerden mit einem totalen Rückzug aus dem Berufs- und Privatleben, was das Risiko für psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen deutlich erhöht. Eine Depression kann solche Erschöpfungszustände auslösen, wird jedoch ihrerseits auch oft als Folge einer unbehandelten Fatigue beobachtet. Die Betroffenen befinden sich daher in einem Teufelskreis, den sie ohne professionelle Hilfe nicht durchbrechen können.

Behandlung des Fatigue-Syndroms

Viele Patienten sehen chronische Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Erschöpfung als normale Folge ihrer Krankheit und teilen ihre Beschwerden deshalb dem behandelnden Arzt nicht mit. Dies ist ein folgenschwerer Fehler, denn für die gezielte Behandlung des Fatigue-Syndroms stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Der Arzt wird nach gestellter Diagnose zunächst gezielte Maßnahmen zur Bekämpfung der Blutarmut vorschlagen. Dies geschieht in der Regel durch eine Zufuhr von roten Blutkörperchen in Form einer Bluttransfusion. Sind durch die Bluttransfusion Infektionen oder Unverträglichkeiten zu befürchten, die einen körperlich stark belasteten Patienten zusätzlich schwächen könnten, stehen Arzneistoffe zur Verfügung, die auf den Hormonhaushalt einwirken und die Bildung roter Blutkörperchen anregen. Diese hormonelle Behandlung des Fatigue-Syndroms hat den Vorteil, dass der Effekt schneller eintritt, mehrere Wochen anhält und die Medikation bei Bedarf wiederholt werden kann.

Sind Stoffwechselstörungen der Nebennieren oder Schilddrüse für die Entstehung der Erschöpfungszustände verantwortlich, wird der Arzt eine geeignete Medikation vorschlagen. Seelisch bedingte Fatigue mit Schlafstörungen kann im Normalfall im Rahmen einer Psychotherapie wirksam behandelt werden. Im Zuge von Einzel- oder Gruppensitzungen werden die Konflikte des Alltags allmählich gelöst, wodurch sich die Schlafgewohnheiten in der Regel normalisieren. Bei Störungen der Konzentration und des Gedächtnisses haben sich Gehirnleistungstrainings erfolgreich bewährt.

Ist ein Nährstoffmangel die Ursache für die Erschöpfungszustände, kann der Zustand des Patienten mit einer gezielten Supplementation von Eisen, Carnitin und Mikronährstoffen verbessert werden. In solchen Fällen empfiehlt sich eine begleitende Betreuung durch einen Ernährungsberater, der die Essgewohnheiten des Patienten analysiert und gegebenenfalls eine Umstellung vorschlagen kann.

In jedem Fall ist es für die Regeneration des Körpers wichtig, ein gesundes Maß an Bewegung in den Alltag zu integrieren, um Muskelschwächen und Beeinträchtigungen der mentalen Fähigkeiten vorzubeugen. Der behandelte Arzt wird ein auf den Patienten abgestimmtes Bewegungstraining vorschlagen, das gegebenenfalls medizinisch überwacht wird. Als sanfte Sportarten für Menschen, die unter Fatigue leiden, sind vor allem Schwimmen, Joggen und Radfahren empfehlenswert. Auch regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft sollten in den Alltag integriert werden. Dies gilt auch für Menschen, die an Krebs erkrankt sind und eine Chemotherapie erhalten.

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