Die innere Uhr bestimmt den Schlafrhythmus

Jeder Mensch lebt tagtäglich nach einem individuell festgelegten Körperrhythmus, der die Aktivitäten und das Schlafverhalten maßgeblich beeinflusst. Im Gehirn sitzt der aus Nervenzellen aufgebaute Suprachiasmatische Nukleus, der abhängig von der Tageszeit unterschiedliche Signale über Hormone oder Nervenbahnen aussendet. Der Suprachiasmatische Nukleus bestimmt, wie die Stoffwechselvorgänge in den Organen im Laufe des Tages programmiert sind und in welchem Ablauf sich aktive und ruhige Phasen abwechseln.

Die komplexe Wirkung dieser Nervenzellenansammlung, der sogenannten „Masterclock“ im Gehirn ist Gegenstand der Chronomedizin, die sich mit dem individuellen Biorhythmus des Menschen auseinandersetzt. Die innere Uhr bestimmt, welcher Chronotyp ein Mensch ist und wie sich sein Blutdruck, sein Puls, seine Körpertemperatur und die Verfassung seiner Organe im Laufe von 24 Stunden verändern. Wissenschaftler fanden heraus, dass jedes Lebewesen einem solchen biologischen Rhythmus unterworfen ist.

Die zwei Chronotypen – Lerche und Eule

Der innere Rhythmus ist der Grund dafür, dass manche Menschen bereits bei Sonnenaufgang putzmunter sind und voller Freude den Tag begrüßen, während sich andere morgens nur unter Qualen aus dem Bett bemühen. Die Frühaufsteher oder sogenannten „Lerchen“ gehen in der Regel um spätestens 22.00 oder 23.00 ins Bett, während Morgenmuffel kaum vor 9.00 ansprechbar sind, als „Eulen“ gerne die Nacht zum Tag machen und ab 21.00 so richtig in Fahrt kommen. Die innere Uhr beeinflusst, welchem Schlaftyp ein Mensch angehört und wie dies seinen Lebensalltag und Tag-Nacht-Rhythmus prägt.

Die innere Uhr und das Schlafverhalten ändern sich im Laufe des Lebens einige Male. Während Kinder meist im Morgengrauen schon munter und am frühen Abend wieder schläfrig sind, verschiebt sich dieser natürliche Rhythmus nach hinten, je näher die Pubertät rückt. Teenager schlafen als Eulen gerne lang, sind dafür aber auch noch nach Mitternacht aktiv. Je älter ein Mensch wird, desto weniger Schlaf benötigt sein Organismus in der Regel, wobei sich im jungen Erwachsenenalter ein Schlaftyp herauskristallisiert, der meist das ganze Leben prägt. Ob jemand Eule und Langschläfer ist oder als Lerche schon im Morgengrauen den Tag beginnt, hängt ausschließlich von der genetischen Veranlagung ab und lässt sich durch Lebensgewohnheiten kaum verändern.

Folgen eines Lebens gegen den Biorhythmus

Der Schlaftyp bestimmt maßgeblich, wie ein Mensch mit seinem Lebensalltag umgeht. Während Lerchen nicht nur während der Arbeitswoche, sondern auch an Wochenenden, Feiertagen und im Urlaub immer dem gleichen Schlafrhythmus folgen, leben Eulen, die berufsbedingt früh aufstehen müssen, langfristig gegen ihre innere Uhr. Dies ist auch der Grund dafür, warum sich bei Eulen im Laufe der Arbeitswoche ein Schlafdefizit ansammelt, das an freien Tagen „abgeschlafen“ wird.

Dennoch lässt sich erholsamer Schlaf nicht nachholen, und berufstätige Eulen leben viele Jahre lang gegen ihren Biorhythmus – und schaden damit ihrer Gesundheit. Nicht nur ein hektisches Berufsleben bringt die innere Uhr aus dem Takt, auch private und soziale Verpflichtungen, intensive Freizeitaktivitäten, der Einfluss moderner Medien und eine falsche Schlafumgebung führen zu einem ungesunden Schlafmuster.

Wissenschaftler fanden heraus, dass ein Leben gegen den eigenen Biorhythmus auf Dauer zu Schlafproblemen, Erschöpfungszuständen und zu einem gestörten Stoffwechsel und Hormonhaushalt führt. Menschen, die ihre innere Uhr ignorieren, neigen zu Übergewicht und übermäßigem Alkohol-, Nikotin- und Kaffeekonsum. Ein aus dem Gleichgewicht geratener Biorhythmus führt darüber hinaus zu einem dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel, und mit diesem steigt das Risiko, an Krebs zu erkranken, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden.

Die innere Uhr lässt sich nicht ausschalten, weshalb Chronomediziner heute dafür plädieren, sie zu berücksichtigen und den Lebensalltag so gut es geht nach ihr zu richten.

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